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Was ist ein Matching-Corner?

„Wir fixen die Leute irgendwie an, und dann sollen die miteinander reden„
(... schreibt Andreas Kottisch von i2b im Weser-Kurier)

Jaaa! Genau! i2b ist gut. Ich war angefixt. Da will ich mitreden. Ich bin auch registriertes Mitglied und als Mitglied habe ich eine Einladung zum "i2b Sommerfest -10 Jahre i2b - 10 Jahre Kooperation mit JOKE„ erhalten und ... ich bin hin.

Am Abend zuvor hatte ich mich auf der ganz frisch gelaunchten Website - wie gewünscht - nochmals registriert und mich brav für das Event nochmals (!) angemeldet. Da fällt mir eine Innovation auf: "Matching Corner". Zitat: Hierbei handelt es sich um einen abgetrennten Meetingbereich, über den es möglich ist, gezielt Interessen (Gesuche, Gebote usw.) an alle Gäste zu veröffentlichen.

Klasse, denke ich, das nutze ich und setze voller Begeisterung einen Text zu meinem neuen Projekt "Roland & Rolanda" ein.

Am nächsten Morgen frage ich telefonisch im i2b-Büro nach, ob denn auch Fotos mit eingestellt werden können. " .. leider nicht, aber eine gute Idee, die ich gerne weitergebe ...", sagt die sympathische Dame.

Auf denn zum Sommerfest. Erstmal der Lob. Einen dicken Punkt für die logistische Leistung der JOKE-Leute. Über 800 Menschen zufriedenstellend zu bewirten ist schon eine Leistung. Die Servicekräfte waren/sind (wirklich) freundlich und zuvorkommend. Schmackhaftes Essen und genügend Essenund getränkesausgabestellen, obwohl ich selber nur ein paar Häppchen genossen habe, abgelenkt durch sich gleich einstellender Gespräche.

Natürlich macht man sich als irgendwie Dazugehöriger auch Gedanken zu einem solchen Top-Dekaden-Event. Wie gesagt: einerseits Löbliche, andererseits auch Diskutierbare.

Als die Vorträge soweit über die Bühne gelaufen waren, wurde es ein wenig so, wie man es von anderen "Kreativ-Veranstaltungen" kennt: Grüppchenbildung, Gesprächsgeräuschkulisse, Getränke holen, dafür nun hier in diesen Hallen weite Gänge, durch die man ohne Befürchtung, irgendwen anzustoßen, laufen konnte.

"Langweilig sowas ..", meinte meine Begleiterin, die sonst mit der idea-Branche nichts zu tun hat. Lag das vielleicht an mir?

"Wir hätten ja in einem Häschen-Kostüm hier herkommen können", äußerte sie, "dann hätten die Leute ein bisschen was zum Lachen."
Worauf mir dann einfiel, dass es ein guter Running-Gag wäre, zwei Menschen im Hasen-Kleid, von einem Jäger mit Flinte mit Platzpatronen durch die Hallen zu jagen. Und das meinte ich wirklich ernst.

Aber kommen wir zu dem Punkt, der mich tatsächlich angeschossen hat.

Da war doch die Rede von einer Neuerung, von einem "Matching Corner". Wir schauen uns das mal an. Ausschau haltend wie die Jäger, erblicken wir auch die Leinwand in "einem abgetrennten Meetingbereich", auf der " ... Text während der Veranstaltung auf einer Leinwand dargestellt wird, wenn Sie sich mit Ihrer QR-Karte in die Matching-Corner eingecheckt haben. Jetzt sind Sie für die Teilnehmer der Veranstaltung in Bezug auf Ihr Interesse direkt ansprechbar". Die Idee passt zum Gesamtkonzept. Die Idee!

Wo ist mein Text, den ich gestern Abend/Nacht mit Begeisterung für die grandiose Idee eingestellt habe? Ich bin gerade im Begriff danach zu fragen, als er erscheint - einer von drei Beiträgen.

"Da ist er ja", sage ich zu meiner Begleiterin. Das hört der wohl in leitender Funktion anwesende Mitarbeiter des "Matching Corner" und spricht mich an. "Der Text ist viel zu lang, den wollte ich schon kürzen!" "Und wieso wollen sie den kürzen?" "Das sind acht Zeilen, erlaubt sind höchstens zwei Sätze!" "Das sind .... drei Sätze." "Sie können den jetzt bearbeiten oder ich mache das!"

Meine Begleiterin guckt mich an, mit einem fast unmerklichen Hochziehen ihrer Mundwinkel. Ich bin nun tatsächlich "angefixt", bewahre aber Contenance.

Zur Klarsicht: es stehen drei Beträge auf der Leinwand, die nur etwa die Hälfte der Fläche füllen. Der erste Beitrag mit tatsächlich zwei Zeilen, in dem Räume angeboten werden. Dann kommt mein Beitrag zu "Roland & Rolanda" mit acht Zeilen und dann wieder ein Zweizeiler, womit ein Student eine Nebenbeschäftigung sucht.

Ich erinnere mich an den Ausdruck "abgetrennten Meetingbereich"; dieses hier könnte eher ein noch nicht erwachsener Flohmarktartikelanzeiger sein.

Ah ja, die Fläche. Die freundliche i2b-Mitarbeiterin vom Vormittag, erklärte noch, dass die Leinwand aber richtig designermäßig gestaltet ist. Was ist nun Design? Hier sieht das so aus: vier Ecken hat die Leinwand, also vier Icons aus irgendeiner kostenlosen Zugabe eines Grafikprogramms eingespielt, stilisierte Köpfe, Gesichter ohne Augen. Geschmacksache?

Nun aber zur Kürzung meines Textes. Der Leiter dieser Garde von sechs Laptops weist mir einen zu. Etwa 40 cm vom Boden sind sie positioniert, noch nicht einmal Kniehöhe und das Umgebungslicht ist so diffus, dass die Tastatur nur zu erahnen ist. Selber schuld, denke ich, wenn du nicht blind schreiben kannst. Die Eingabe an sich ist (für mich) nicht so leicht, denn immer wieder hakt es, gibt schon bei einer Zeile aus: 0 Zeichen stehen zur Verfügung. Soll ich vielleicht schreiben: "Rolanda & Rolanda demnächst in diesem Bremer Theater"? Das würde aber keinen Menschen animieren, mich anzusprechen.
Die Kontaktrate läge auch äußerst niedrig - wie die Laptops - denn ausser uns steht nur noch ein Mensch vor dem "Matching Corner ", zwei weitere diskutieren direkt an der Tastatur. Angefixt gebe ich auf und sage dem mutmaßlichen Leiter des '"Matching Corner", er solle meinen Beitrag löschen. Danach sind auf der Leinwand vier Zeilen zu sehen. Echt toll für einen "abgetrennten Meetingbereich".

Mein Fazit: Unter Couchtisch-Niveau, dieses Highlight.

Trotzdem habe ich ein paar interessante Leute getroffen (die bestätigend auf meiner Linie sind).

Take Janssen
-tja-



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